Im Jahr 1899 hat die Gemeinde Wien unter Bürgermeister Dr. Karl Lueger einen
"Wettbewerb zur Fertigstellung des Zentralfriedhofes" ausgeschrieben.
Den Vorsitz der Jury hatte Otto Wagner.
Max Hegele ging als Sieger dieses Wettbewerbes hervor und er durfte seine Pläne in die Tat umzusetzen.
Als erstes erbaute er
das prunkvolle Eingangstor II,
dann die Aufbahrungshallen I und II
und "als letztes Objekt entstand die Kirche zum dauernden Schmucke dieser Stätte des Friedens".
Diese imposante Friedhofskirche ist ein Gesamtkunstwerk und setzt sich eingehend mit der Vergänglichkeit, der
Problematik von Tod und Leben, von Zeit und Ewigkeit auseinander. Sie ist die Krönung der gesamten Friedhofsanlage.

Mit diesem Monumentalbau, spannt Max Hegele einen Bogen
vom zeitgenössischen Bau- und Kunstbegriff (Jugendstil),
über die alte christliche Baukunst
(Karlskirche in Wien, Petersdom in Rom, Hagia Sophia in Istanbul),
zu den Tempeln und den Grabanlagen der Pharaonen im alten Ägypten,
denn schon die Ägypter glaubten an ein Leben nach dem Tod.
Auf Wunsch des Bürgermeisters Dr. Karl Lueger wurde diese Kirche dem heiligen Karl Borromäus geweiht.
Diese Kirche wartet immer noch auf eine gebührende Aufnahme in die Kunstgeschichte, da die bisherigen Kommentare dazu lückenhaft,
oberflächlich, ja sogar inkompetent sind. Georg Hamann "Wien Lexikon", Ueberreuter-Verlag 2007, S. 251, erwähnt diese Kirche nur mit
diesem einzigen Satz: " Zur gleichen Zeit wurde auch die monumentale Karl-Lueger-Gedächtniskirche (gebaut), in der Bürgermeister Lueger 1910
bestattet wurde." Nicht einmal dieser Satz stimmt genau. Lueger wurde hier erst nach der Fertigstellung dieser Kirche, im Jahr 1911 beigesetzt.
Friedrich Achleitner schreibt in "Österreichische Architektur im 20. Jahrhundert" Bd. III/I Wien: 1-12 Bezirk. Salzburg/Wien.
Residenz -Verlag 1990, dass es sich bei der Kirche am Zentralfriedhof von Max Hegele um "Verwertung von Jugendstildekor vor
dem Hintergrund eines diffusen Historismus" handelt und dass Hegele "sichtbaren Bezug auf die Steinhof-Kirche nahm "…" indem
er die Wagnerschen Erfindungen, wie etwa die transformierte Doppelturmlösung am Steinhof, rückverwandelte und als
Versatzstücke in das monumentalistische System integrierte".
Inge Scheidl in "Schöner Schein und Experiment", Böhlau -Verlag 2003, schreibt auf Seite 220, dass es Max Hegele nicht
gelungen ist jene vorgegebenen Kriterien überzeugend einzubringen, "die die Kirche speziell für Begräbniszeremonien ausge-
zeichnet hätten. Zugleich dürfte die Frage der modernen Zweckmäßigkeit für ihn offensichtlich auch kaum relevant bzw. er-
wähnenswert gewesen zu sein". Das ist eine unzutreffende Aussage, die sich ausschließlich darauf bezieht, dass Max Hegele ganz
im Gegensatz zu Otto Wagner über seine Friedhofskirche weder geschrieben noch öffentlich gesprochen hat. Seine Kirche sollte
offensichtlich für sich selbst sprechen. Max Hegele hat ja nachweislich den damals führenden Pastoraltheologen an der Theologischen
Fakultät der Wiener Universität, Heinrich Svoboda, konsultiert um diese Kirche sachgerecht und zweckmäßig als Friedhofskirche
zu errichten und auszugestalten.
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Der Monumentalbau inmitten des Ozeans des Todes (am Zentralfriedhof sind ca. 3 Millionen Menschen bestattet!) soll die
Allmacht Gottes versinnbildlichen, die stärker ist als der Tod. Die vorderen Türme der Kirche mit den Pyramidendächern werden
von der kreuzgekrönten Kuppel weit überragt um anzudeuten, dass der Glaube der alten Ägypter zwar nicht falsch war, aber er
wurde durch das Alte und Neue Testament überholt. Die Architektur und die sachgerechte und zweckmäßige Ausgestaltung dieser
Kirche stellen ein einmaliges Gesamtkunstwerk einer Friedhofskirche dar, das von besonderem Ausdruck und Erhabenheit zeugt und
Max Hegele unter Mitwirkung folgender Künstler geschaffen hat:
Josef BREITNER- Relief "Jona und der Walfisch"
Theodor CHARLEMONT- Marmorrelief "Kaiserin Elisabeth mit ihrem Genius, der sie ins Jenseits geleitet"
und Portalengel mit Kreuz und Evangelium an der Außenfassade
Hans DIETRICH- Relief "Moses und die eherne Schlange"
Jakob GRUBER- Relief "Auferweckung der Tochter des Jairus"
Leopold FORSTNER- Glasfenster, Mosaike der Evangelisten und die Leidenswerkzeuge
Eduard HAUSER- Hochaltaraufbau
Josef HEU- Kolossalplastik Evangelist Johannes
Arthur KAAN- Kolossalplastik Evangelist Markus und Bronzeplastik Kruzifix am Hochaltar
Theodor KHUEN- Relief "Tod des Hl. Josef"
Franz KLUG- Relief "Erweckung des Jünglings von Nain" und Engelbronzeplastiken im Hochaltar
Georg LEISEK- Relief "Vertreibung aus dem Paradies"
Karl PHILIPP- Marmorengel und plastischer Schmuck am Hochaltar
Adolf POHL- Reliefengel an der Altarwand und plastischer Schmuck
Johann RATHAUSKY- Relief "Die Trauer um Abel"
Othmar SCHIMKOWITZ- Kolossalplastik Evangelist Lukas
Franz SEIFERT- Relief "Auferstehung Christi"
Arthur STRASSER- Relief "Grablegung Jesu"
Oskar THIEDE- Marmorplastik "Pieta"
Carl WOLLEK- Portalengel mit Kelch und Dornenkrone an der Außenfassade
Hans ZATZKA- "Das jüngste Gericht" und der Bilderzyklus über dem Hochaltar
Anselm ZINSLER- Relief "Dormitio Mariae".
Auf Wunsch des Bürgermeisters Dr. Karl Lueger wurde diese Friedhofskirche seinem Namenspatron, dem hl. Karl Borromäus,
geweiht und so sollte sie die "Karlskirche" am Zentralfriedhof sein. In Anlehnung an Kaiser Franz Josef, der zu seinem fünfzigsten
Kaiserjubiläum, die "Kaiser-Franz-Josef-Jubiläumskirche" am Mexikoplatz erbauen ließ, hat die Gemeinde Wien nach dem
Tod des Bürgermeisters Lueger, der während seiner Amtszeit am 10.3.1910 verstorben ist, diese Friedhofskirche die
"Dr.-Karl-Lueger-Gedächtniskirche" benannt.

Max Hegele wurde nicht von den Plänen Otto Wagners beeinflusst, wie man fälschlich annimmt, denn die Baupläne aus dem
Schuljahr 1895/96, für eine fiktive Kirche auf dem Währinger Friedhof, die Otto Wagner von seinen Schülern erstellen ließ,
weisen nicht darauf hin, dass Max Hegele auf diese Bezug genommen hat, da die Kirche von Max Hegele eben ganz anders ist.
Es ist aber vorstellbar, dass Max Hegele sich von den Postulaten Otto Wagners über die Bedeutung der Zweckmäßigkeit und
der Funktionalität eines modernen Kirchenbaus anregen ließ, die er dann eindrucksvoll und eigenständig in seiner Friedhofskirche
verwirklicht hat. Wenn man aber zwischen der Friedhofskirche von Max Hegele und der Kirche Otto Wagners am Steinhof
(konzipiert 1902) Parallelensieht, dann liegt der Gedanke nahe, dass sich Otto Wagner an das Projekt Max Hegeles aus dem
Jahr 1899 "erinnert" hat. So kann Max Hegele durchaus als "Ideenlieferant" für Otto Wagner bezeichnet werden.
Diese Friedhofskirche ist Eigentum der Gemeinde Wien und sie wurde der katholischen Kirche zur Verwaltung und Benutzung
übergeben. Sie steht aber auch allen anderen christlichen Konfessionen für Begräbnisfeiern zur Verfügung.
Mit dieser Kirche hat sich die Gemeinde Wien selbst ein imposantes Denkmal gesetzt. Die Vindobona, welche die Stadt Wien
darstellt und der Bürgermeister von Wien auf der Retabelwand über dem Hochalter und die vielen Wappen der Stadt Wien über den
Eingängen in die Epitaphienräume, in den Glasfenstern, an den Stirnseiten der Kirchenbänke, im Abgang in die Unterkirche und
auf der Außenfassade, sowie das Monogramm der Gemeinde Wien - "GW" an den Kirchenbänken als auch an der Außenfassade
und die Gedenktafeln im Inneren der Kirche weisen eindrucksvoll auf die Erbauerin und Erhalterin dieser Kirche, die Gemeinde Wien, hin.
Auf der rechten Gedenktafel steht:
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UNTER DER REGIERUNG DES KAISERS FRANZ JOSEF I. ERBAUT VON DER GEMEINDE WIEN ZUR ZEIT DER AMTSFÜHRUNG DER BÜRGERMEISTER DR. KARL LUEGER UND DR. JOSEF NEUMAYER. |
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Auf der linken Gedenktafel ist geschrieben:
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DIE BAUTEN IM WIENER ZENTRALFRIEDHOF WURDEN UNTER DER LEITUNG DES STADTBAUAMTES NACH DEN PLÄNEN DES ARCHITEKTEN Z.V.K.K. PROF. MAX HEGELE UND NACH DEN ANTRÄGEN DES STADTRATES LUDWIG ZATZKA AUSGEFÜHRT. ALS LETZTES OBJEKT DER BAULICHEN AUSGESTALTUNG ENTSTAND DIE KIRCHE ZUM DAUERNDEN SCHMUCKE DIESER STÄTTE DES FRIEDENS. |
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In den Jahren 1995 - 2000 zur Zeit der Amtsführung der Bürgermeister Dr. Helmut Zilk und Dr. Michael Häupl unter dem
amtsführenden Stadtrat Johann Hatzl hat die Gemeinde Wien diese Kirche mit großem finanziellem Aufwand unter der Verantwortung
der MA 43 - Friedhöfe saniert, renoviert und restauriert. Die Leitung der Arbeiten lag bei Architekt, Prof. Dr. Manfred Wehdorn.
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Msgr. Mag. Karl Wagner war jahrelang Leiter des Referates der Erzdiözese Wien für den Einsegnungsdienst in Wien und ist weiterhin Rektor der Friedhofskirche Zum Heiligen Karl Borromäus am Wiener Zentralfriedhof und Träger des Goldenen Ehrenzeichens der Stadt Wien für Verdienste um die Friedhofskultur. karl.wagner@luegerkirche.at |